ARD und ZDF wollen Werbeplätze gemeinsam verkaufen

Fernseh-Zuschauer
Fernseh-Zuschauer

ARD und ZDF wollen künftig beim Verkauf von Werbezeiten zusammenarbeiten und hierzu eine gemeinsame Vermarktungsgesellschaft gründen. Bei den Privaten dürfte die angedachte Kooperation weniger gut ankommen.

Im Fernseh-Werbemarkt steht der nächste grosse Coup bevor: Nach Informationen der Zeitschrift «Horizont» wollen ARD und ZDF künftig beim Verkauf von Werbezeiten zusammenarbeiten. Eine gemeinsame Tochtergesellschaft soll sich um den Verkauf der Fernsehspots kümmern.

Während das Bundeskartellamt die Anmeldung der Vertriebskooperation bestätigt, gibt man sich bei den beteiligten Unternehmen noch zugeknöpft: Achim Rohnke, Geschäftsführer der ARD-Werbung Sales & Services (AS&S), Frankfurt, und Hans-Joachim Strauch, Leiter des ZDF Werbefernsehens, Mainz, wollen ihre Pläne „nicht kommentieren. Doch die Mainzer haben ihren Handelsvertretern bereits gekündigt. «Man hat uns mitgeteilt, dass der Verkauf in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert wird», bestätigt ein ZDF-Repräsentant.

Dem ZDF fehlt Gesellschaft

Dem Zweiten fehlt ab Sommer die Vertriebsorganisation, die Zusammenarbeit mit AS&S, die schon seit Jahren immer wieder diskutiert wird, liegt nahe. Da aus Brüssel die Vorgabe kommt, Kommerz und öffentlich-rechtliche Aufgaben in Zukunft strikt zu trennen, muss das ZDF ohnehin handeln. Das Werbefernsehen ist noch eine Abteilung des Senders, während die ARD-Werbung als eigene Gesellschaft agiert. Dabei wollen beide offenbar nur beim Spotverkauf kooperieren. Angebotsstellung, Preisfindung, Disposition und Forschung sollen unabhängig bleiben – ansonsten würde die Vertriebskooperation zweier, wenn auch verhältnismässig kleiner Wettbewerber wohl den Argwohn der Kartellwächter wecken.

Gut für den Gebührenzahler

Den Nachfragern wäre die Zusammenarbeit recht, wenngleich die Anforderungen weiter reichen als die Pläne: «Die Vermarktung von ARD und ZDF unter einem Dach ist aus ökonomischer Sicht das Beste, was dem Gebührenzahler passieren kann», meint Christof Baron, Geschäftsführer der Frankfurter Mediaagentur Mindshare. Die Erwartungen des Marktes würden allerdings weit über Verwaltungs- und Handhabungsvorteile hinausgehen: Man werde über Anteile und Paketgeschäfte reden.

Bei der privaten Konkurrenz, die gerade vom Kartellamt wegen koordinierter Rabattpolitik abgestraft wurde, dürfte die angedachte Kooperation weniger gut ankommen und auch auf politischer Ebene ist Widerstand zu erwarten: Erst in der vergangenen Woche hat die Medienkommission der SPD ihre Forderung nach einer schrittweisen Abschaffung von Werbung und Sponsoring bei ARD und ZDF erneuert.

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